¡La gran duquesa viene!
Das waren die einleitenden Worte, auf die eine drei Tage anhaltende Hektik folgte. “La Gran Duquesa” das ist eine Grossherzogin (auf dem Foto zusammen mit Karoline) in diesem Fall aus Luxemburg. Sie ist die Frau des hoechsten Adelsmann dort. Der Kindergarten wurde fuer ihren Besuch von Grund auf geputzt, gebonert, aufgeraeumt, Taenze einguebt und der grosse rote Teppich ausgerollt.
Als sie dann da war ging alles so schnell vorbei, dass man vielleicht alles verpasst haette, wenn man im falschen Moment auf die Toilette gegangen waere. Karoline und die duquesa flitzten voran durch alle Teile des Kindergartens. Hinterher erst eine Zahl von Bodyguards und dahinter eine noch groessere Zahl luxemburgischer Zeitungsreporter und Photographen. Es wurden die Taenze aufgefuehrt und Karoline und die duquesa sagten etwas. Dann sauste die ganze Kolonne dem Ausgang entgegen.
Eigentlich geht man jeden Morgen normal zur Arbeit und denkt sich beim Anblick der in der Morgensonne angestrahlten Berge nichts Boeses, aber irgendetwas passiert eigentlich immer.
Ob man nach 9 Stunden der Arbeit im Kindergarten beim Waschen in einem anderen Voluntarierhaus zufaellig den Saenger der bekanntesten chilenischen Folkloregruppe trifft und dann ein Privatkonzert bekommt oder ob man in die Archive des deutschchilenischen Bundes eingeladen wird, wo man 150Jahre alte Erinnerungsstuecke aus der Zeit der deutschen Einwanderung nach Chile bewundern kann. Fast jedes Wochenende ist ein Musikfestival oder Konzert oder man faehrt in einen der v
ielen wunderschoenen Nationalparks (Foto: Nationalpark altos de lircay) um der versmoggten Luft Santiagos zu entkommen. Zu diesen ausgesprochen schoenen koerperlichen Strapazen kommen noch gewisse seelische Erfahrungen die man auch erstmal verkraften muss.
Vor drei Wochen ist ein Kind zu uns in die sala gekommen von dem gesagt wird es sei ein “caso especial” (ein besonderer Fall).
Sechs Monate zuvor kam dieses Maedchen zum ersten mal in den Kindergarten. Die Mama un der Papa sind beide drogenabhaengig, wobei der Vater frei ist von jeglichem Interesse fuer das Kind ist. Die Mutter war gerade zum zweiten mal schwanger im 5 Monat, hatte nur gar keinen Bauch, weil sie all ihr nicht vorhandenes Geld fuer Drogen ausgab. So half der Kindergarten so gut es ging und versorgte die Mutter mit. Ein wenig spaeter verschwanden einige CDs aus dem Kindergarten. Am naechsten Tag kamen weder Mutter noch Tochter zum Kindergarten. Fuenf Monate lang hat man nichts von den beiden gehoert oder gesehen. Man wusste nur, dass die Tochter immer allein zu Haus still auf ihre Mama gewartet hat, praktisch eingesperrt und nur aufgrund der Hilfe der Nachbarn nicht verhungert ist. Dieses Maedchen ist vor 3 Woche das erste Mal wieder mit ihrer Mama im Kindergarten erschienen. Zunaechst war sie immer superstill und eingeschuechtert, aber mit viel Geduld konnten wir Vertrauen zu ihr aufbauen. Wir haben sie gebadet (das Wasser war danach schwarz), wir haben sie entlaust und sie hat auch schon ein paar Kilos zugenommen. Heute ist sie fast nicht mehr von den anderen Kindern zu unterscheiden. Gluecklich im Kindergarten zu sein spielt sie und huepft durch die Gegend.
Naja...jetzt geht es langsam auf Weihnachten zu...zum mindest werden wir immer wieder dran erinnert wenn wir es dann doch mal vergessen haben sollten, so gar keine Weihnachtsstimmung aufkommt. Schliesslich sind hier so ungefaehr35grad am Tag.
ich wuensche viele schoene gruesse nach deutschland
lucas


hey ho