hey ihr
willkommen auf meiner kleinen page die euch ma ein wenig nahe legen wird was ich in chile und in diesem zusammenhang so getrieben hab
viel spaß beim lesen und gucken!! :)

Mittwoch, 14. November 2007

Die Arbeit mit der Armut im Kindergarten Naciente

Als ich das erste Mal in der Kindergarten Naciente gegangen bin, dachte ich: Mensch was mach ich eigentlich hier?? Die Kinder sind doch gar nicht so arm, die sehen ja ganz normal aus!! Erst mit der Zeit ist mir die wirkliche Armut aufgefallen die diese Kinder haben. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Mamas aus Scham und Stolz versuchen die Armut zu verstecken indem sie z.B. ihren Kindern gebraucht Markensachen anziehen. Aber wenn man näher hinsieht, sich auf die Einzelschicksale einlässt, sich manche Köpfe genauer anguckt, dann sieht man nicht nur Läuse sondern auch, dass die Kinder immer das gleiche anhaben auch wenn Löcher reinkommen. Man fragt sich warum man manche besser verstehen kann als andere, warum manche gar nicht reden und andere Hyperaktiv sind, warum manche Schreikrämpfe bekommen und anfangen um sich zu schlagen und andere stark untergewichtig sind. Viele der Kinder haben in ihren 4 Jahren schon mehr Schicksalsschläge erlebt als wir in Deutschland in einem ganzen Leben aus einer ganzen Nachbarschaft zu hören bekommen. Jeremys (Foto) Mutter ist Drogendealerin und drogenabhängig. Sie nahm, nachdem sie mit 14 Jahren schwanger wurde, weiterhin Pasta Vase (Abfall des Kokains) und Mariuhana weshalb Jeremy starke Sprachprobleme hat. Diese müssten eigentlich auf einer Sprachschule behandelt werden. Außerdem verdient sie ihr Geld indem sie „in der Nacht arbeitet“. Sein Vater wurde im Gefängnis erschossen. Klar dass so einem Kind an Liebe, Zuwendung und Erziehung…eigentlich an allem fehlt. Fernando dessen Eltern auch Drogendealer versucht hin und wieder Spielsachen aus dem Kindergarten zu klauen. Dies liegt daran, dass seine Eltern ihn zum klauen in den Supermarkt schicken und er zu haus noch Lob für die geklaute Ware bekommt und deshalb auch im Kindergarten versucht. So viele Geschichten, so viele Schicksale und wenn man an die Zukunftsaussichten denkt, daran dass viele dieser Kinder vielleicht doch wieder auf der Staße landen bei den Drogen wird man echt nachdenklich. Ich versuche nur diesen Kindern das Leben aktuell so schön wie möglich zu machen und ihnen die teilweise fehlende Zuneigung im Kindergarten zu geben. In solchen Momenten wird einem dann bewusst wie gut wir es zuhause haben und welch gute Erziehung ich in meiner Familie genießen durfte und wie kostbar so etwas ist.

Das Leben hier macht immer mehr Spaß. Die Arbeit ist anstrengend auch wenn sie Spaß macht und man schafft aufgrund der Tatsache, dass wir hier in Südamerika sind, danach sowieso nichts mehr (hier dauert einfach alles immer länger, sogar Käsekaufen). Dafür kann man in dieser Zeit immer von den Wochenenden zehren die unheimlich Spaß machen: Ob Wandern im Nationalpark oder Rafting in Argentinien oder einfach nur das Leben auf dem Land oder am Strand genießen hier in Chile erlebt man alles irgendwie intensiver. Es ist echt schön dass ich diese Erfahrungen machen darf.

Lucas Großeheide